Wo entstand die Sonnenreligion der Pharaonen?
oder
wie hängen Klima und Naturreligion zusammen
Grundsätzliches: Die optimale´ Nutzung eines Siedlungsgebietes prägte
in der Frühzeit die Kultur ihrer Bewohner. Zur Kultur gehören auch die
heimischen Götter. Auch sie werden - in ihrer erwarteten Wirkung - von der
Umwelt geprägt.
In Gegenden mit häufigen Gewittern entsteht ein blitzeschleudernder
Donnergott. Er überlebt, bis Post-Pythagoräer als Physiker mit Volt und
Ampere ihm seine Macht nehmen. >Wissen< verdrängt den Glauben.
------------------------------------------------------------------------------------------------------Für den Norden, als möglicher Ursprung einer Sonnenreligion, sprechen
die starken jahreszeitlichen Schwankungen der Sonnenbahn.
Island Schweden Mittelmeer
Sommer 24 19 16
Winter 0 4.6 8
Dauer zwischen Sonnenaufgang und Untergang zur Sonnenwende im
Sommer und Winter.
Im Norden wird die Sonne im Winter immer schwächer. Der im Pelz
gehüllte Hirte und Jäger fürchtet, dass das Winterfutter für seine Tiere
nicht ausreicht. Er hat Angst. Er weiss, nur eine kraftvoll wachsende
Sonne kann die drohende Lebensgefahr ab wenden.
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Schweden 21.Juni
Der lange Winter hinterlässt religiöse Spuren.
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Sonnenboote in Europa
Bemerkenswert der Transport der Sonne in einem Boot mit Schlittenkufen ?.
Die Sonnenbarke ist ein häufiges Bildmotiv der späteren BronzezeitDer möglche mythologische Hintergrund:
Im Norden würde eine Sonnenreligion helfen aufkommende Lebensängste in
den langen Winternächten zu lindern. Man schafft sich einen Glauben, der es ermöglicht, sich direkt, tatkäftig an die schwächelnde Wintersonne zu wenden.
Die Sonne wird im Winter symbolisch auf ihrer gefährlichen Fahrt durch den Menschen unterstützt. Kultboote geben einen Hinweis Man ist nicht untätig.
Die heutigen Sonnenwendfeiern am 21.Juni im Norden haben wohl eine
alte Tradition. Ein Brauch, der im christlichen Johannesfeuer missiona-
risch umgedeutet ´wurde.
a) Spätbronzezeitliches Trinkgefäß aus Unterglauheim
b). Beispiel einer mitteleuropäischen Sonnenbarke aus Hajú-Boeszoe.
(Ungarn) Urnenfelder (1100-950 v.)Typisch für die Boote der Sonne die hochlaufenden Steven mit Vogelkopf,
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CARIAZO, ein bronze Relief, Cadiz, vermutlich phönizisch. Eindeutig ein
Boot mit hochlaufendem Steven mit dem Kopf eines Wasservogels. Der
breite Schnabel eines Schwans ? Die Frau mit den typischen schulterlangen
Haaren der *Hathor*.
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Ägypten
Problem: Diese im Norden verständliche Verbindung von Boot und Sonne
wird auch in Ägypten im religiösen Ritual bedacht Prozessionen mit Kult-
booten stehen im Mittelpunkt der Rituale
Mit den Pharaonen wird im 3. Jahrtausend v.. am Nil eine Sonnenreligion
in den Pyramidentexten nachweisbar. Verglichen mit dem Norden ganz
anders die *klimatische Logik* am Nil
Es ist die Religion der Oberschicht, nicht die Religion der Bevölkerung,
die erst im Mittleren Reich verstärkt dem Osiris Kult huldigt. Der Zugang zum
Jenseits wird dadurch ´demokratisiert´.Jeder kann sich bemühen die Götter
am Horizon zu erreichen.
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Schiff verbunden mit Sonne
a.) Getragenes Boot. b.) Gezogenes Boot (Edfu Temple) c.) Sonne in einem
Boot (aus einem Totenbuch) d.) Votivboot aus Holz mit hochlaufendem Steven
Es werden Kultboote innerhalb oder außerhalb des Tempels aufgestellt.In feierlichen Prozessionen tragen Priester die Boote auf den Schultern, oder
man zieht die Boote, auf Kufen oder Räder gestellt, durch Strassen und
Tempel. Dieses ´Basisritual´ wird in vielen Variationen während der ganzen Pharaonenzeit gepflegt.Noch in der späten Zeit der Ptolemaeer (304-86 v.) zieht ein Pharao ein
Boot auf einem Schlitten (s.o.!) Der begleitende Text lässt den König sagen:
" Ich ziehe den Gott auf seinem Schlittenboot um den Tempel herum so wie
man es mit ihm in der Stadt Memphis macht"(Almgren)
Verwandte religiöse Überlegungen und Vorstellungen im Norden und am Nil ?
(Ptolemaeer: mazedonisch-griechisch)
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Eine Sonnenreligion am Nil bedingt auf den ersten Blick keine mytholgischen
Probleme , wenn man annimmt, dass es in einem Sonnenland wie Ägypten
naheliegend erscheint, die Sonne anzubeten. Am Morgen, Mittags und am
Abend scheint die Sonne. Die strahlende Sonne ist allgegenwärtig.
Trotzdem scheint etwas nicht zu stimmen.
Problem I: Generell werden Götter zum *Gesprächspartner* wenn der Mensch
Hilfe braucht. Nur in Hungerzeiten bittet er Gott * Gib uns unserer täglich Brot*
Vor diesem Hintergrund die naive Frage: Warum soll ein *Sonnengott* am
Nil vom Menschen verehrt werden? " Auf den Punkt gebracht:
Um was bittet der ägyptische Fellache die Sonne?
Problem II: In Ägypten ist die Sonne im Sommer kein Segen sondern eher
eine Plage; Ursache für sengende Hitze und Dürre. Der Fellache bittet in
der hochsommerlichen Hitze vielleicht: "Sonne -bitte- scheine weniger!"Der Fellache wartet auf die ´lebenspendende´ Hochflut des Nils im Juli-
September. Danach kann er die Felder bestellen. Er braucht eine schwache WintersonneDie Tuareg in der Sahara bezeichnen die Sonne als den grossen HENKER.
Eine seiner Waffen ist der Sandssturm ( Koni )
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Vor diesem klimatischen Hintergrund entsteht am Nil eine verwunderliche
Mythologie, geprägt durch den Abstand zwischen der Oberschicht der Erobe-
rer und der Unterschicht der EinheimischenDer eingeborene Ägypter weiss :"Vom Wasser des Nils hängt mein Leben
ab" Eine jährlich wiederkehrende Lebenserfahrung. Demnach wäre es aus
Sicht einer *boden-ständigen* Naturreligion naheliegend, wenn der leben-
spendende Nil höchste > göttliche< Verehrung erfahren würde.Es gibt tatsächlich einen Gott des Nils, aber im Kreis der Götter hat er nur
eine dienende Stellung. In den Tempeln steht er in der Tracht der Fischer
und Schiffer und überreicht den grossen Göttern die Erzeugnisse seiner Flut.
(Erman
Der Gott des Nils ist in der Hierarchie der ägyptischen Götter nur ein unter-
geordneter *Handlanger*.Um machtpolitisch noch eines drauf zu setzen, wird
von den Machthabern verkündet, dass der Nil vom Sonnengott geschaffen
wurde.Im Sargtext 317/122 wird der Machtanspruch des Pharao deutlich hervorge-
hoben .Zu berücksichtigen: Der Pharao ist im Selbstverständnis immerhin
ein Sohn des Sonnengottes RE.-
"BECOMING the NILE. I am a young God, it was Re who created me as his
son, he modelled me in stonework (?) (122) The Gods of the horizon conce-
rning me. They see me when I have appeared as the Nile, with sun-folk about
me, like Re when he was born. (288) I am Tosser (?) son of the fiercy one of
Shu, long extended of brilliance, when Shu is at the head of the sun-folk"Ein Sonnengott erschaffte den Nil
Diese Rangfolge der *natürlichen* Götter erscheint - naiv betrachtet beden-
kenswert. Auch die Verbindung vom Nilgott und dem geheimnisvollen ´Sun-
folk´ mag nachdenklich stimmen. Man weiss nicht wer das Sonnenvolk sein
könnte. (erscheint in en Texten 24 mal)
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Zur Sonne kommt zusätzlich noch ein > geheimnisvolles< Symbol.
Der König - Sohn des Sonnengotte RE - trägt
Der Pharao versteht sich als Sohn des Sonnengottes Re
(Narmer Palette)
Problem : Es ist aus ägyptologischer Sicht offen, welche mythische Bedeu-
tung diese Spirale haben könnte. Immerhin ein unbekanntes Symbol auf
einer Königskrone. Vermutet wird die Uräusschlange oder die Seitenlocke
der Altlibyer,.der Tamahu ? Einen verbindenden Kontext gibt es nicht.
In der vorliegenden Hypothese wird die Spirale als Symbol der Sonnen-
bahn gedeutet.
Bemerkenswert, dass die Spirale als Königszeichen bereits zu Beginn der
ägyptischen Hochkultur erscheint. Demnach müsste die Symbolbedeutung
der Spirale bereits in *prädynastischer* Zeit entstanden sein (>3000 v.)
s.Spiralen auf nordischen Vollgriffschwertern.![]()
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~ 1500 v.
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Facit:
Im Rahmen einer Naturreligion kann die Sonnenmythologie der
ägyptischen "Gründungsväter" kaum am Nil entstanden sein.
Almgren,O. Nordische Felszeichnungen als religiöse Urkunden, 1934
Erman, A. Die Religion der Ägypter, 1934
Koni Ibrahim al-Koni * Die Magier Das Epos der Tuareg*, 1990 Lenos Verlag
Mueller, R. Der Himmel ueber dem Menschen der Steinzeit, 1979
sonne-myth-urspr 14.09.04 up
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