Lit. Anhang
Edda
Odyssee
Hesiod
Gilgamesch
Friesen


In der Edda (um1300) gibt es die Weltesche Yggdrasil:
"Das ist bei der Esche Yggdrasil, da sollen die Götter täglich Gericht halten.--Diese Esche ist die grösste und beste von allen Baeumen, seine Zweige breiten sich über die ganze Welt und reichen hinauf über den Himmel´
. (Edda, Gylfaginnig 15)

Man könnte einen indirekten Hinweis auf eine ´Himmelssäule´ annehmen. Deutlicher wird um 850 Rudolf von Fulda. Er berichtet über die Verehrung der Weltsäule durch die Sachsen. (Sie wurde 772 als Irminsul durch Karl dem Grossen zerstört):
"Einen hölzernen Stamm von nicht geringer Grösse, in die Höhe aufgerichtet, verehren sie unter freiem Himmel, in der Volkssprache wurde er ´Irminsul´ genannt, das bedeutet ´Weltallsäule´, die gleichsam alles stuetzt".


Vergleichbares Urmeer und Insel in der Edda
"Sie nahmen ( den Riesen) Ymir-- und bildeten aus ihm die Welt.--- Aus dem Blut, das aus seinen Wunden geflossen war, machten sie das Weltmeer, festigten die Erde darin und legten es im Kreis um sie herum, also dass es den meisten unmöglich dünken mag, hinüber zu kommen.---Sie nahmen auch seinen Hirnschädel, und bildeten den Himmel daraus, und erhoben ihn über die Erde mit vier Ecken oder Hörnern." (Gylfaginning 8)


Der Fährmann erscheint als Sinnbild einer übernatürlichen Kraft, der die Seele des Menschen über den Ozean zu den Göttern geleitet. Ein Jenseitsglauben aus Sicht von Seefahrern.( Ursprünglich beschrieben in den Pyramiden- Texten, 2400v.Chr.)

Homer und Hesiod benutzen indirekt diese mythische Kraft, um Schiffe zu leiten

1) Durch Vermittlung der Göttin Kirke erhält Odysseus die Erlaubnis, einen Gefährten in der Unterwelt aufzusuchen. Ein gefährliches Unterfangen, denn den Hades verlaesst kein Sterblicher wieder. Bemerkenswert der Rat der Göttin´ (10/508)
´Kümmere dich nicht zu sehr um einen Führer des Schiffes (um einen Fährmann), sondern richte Mast und spanne die schimmernden Segel; dann sitze ruhig indes der Hauch des Nordens dich hintreibt.

2 )Odysseus folgt dem Rat der Göttin (11/10); ´Eilig brachten wir jetzt die Geräte des Schiffes in Ordnung, sassen dann still und liessen von Wind und Steuer uns lenken´.
Odysseus steuert nicht selbst. Er lässt fahren

3 ) Es gelingt Odysseus als Lebender die Unterwelt zu betreten.(Od.11/157) Er trifft seine verstorbene Mutter. Sie ist erstaunt, dass er als Lebender den Ozean ueberqueren konnte.
´denn schwer wird Lebenden dieses ( die Unterwelt) zu schauen.
grosse Ströme fliessen und furchtbare Fluten dazwischen;
und vor allem der Strom des Ozeans, welchen zu Fuß
niemand, sondern allein im rüstigen Schiffe durchwandert´

4)  Odysseus wird schlafend  mit einem Boot der Phäaken nach Ithaka gebracht (8/555)
Sage mir auch dein Land, dein Volk und deine Geburtsstadt
daß, dorthin die gedanken gelenkt, die Schiffe dich bringen.
denn der Phäaken Schiffe bedürfen keiner Piloten,
nicht des Steuers einmal, wie die Schiffe der übrigen Völker;
sondern sie wissen von selbst der Männer Gedanken und Willen.
Wissen nah und fern die Städte und fruchtbare Länder
jegliches Volks, und durchlaufen geschwinde die Flutes des Meeres,
Eingehüllt in Nebel und Nacht. Auch darf man nicht fürchten,
Dass stürmendes Meer sie beschädige oder verschlinge

5) Odysseus wird während eines Sturmes als Schiffbrüchiger im Land der Phäaken ans Ufer geworfen. Er fällt erschöpft in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen kommt Nau-sikaa, die schöne Tochter des Königs, um mit ihren Mägden am Fluß Wäsche zu waschen. Odysseus erwacht, verlässt sein Versteck und bittet um Hilfe. Die Mägde laufen schreiend davon. Odysseus war nur spärlich bekleidet." Ich würde mich schämen, nackend zu stehen, in Gegenwart schönlockiger Jungfrauen". Nausikaa ruft die Jungfrauen zurück.
"Dirnen steht mir doch still ! Wo flieht ihr hin vor dem Manne ?
Meint ihr etwa er komme zu uns in feindlicher Absicht ?
Wahrlich der lebt noch nicht und wird niemals geboren,
Welcher käm ins Land der Phäakischen Männer in Feindschaft
Unsere Ruhe zu stören; denn sehr geliebt von den Göttern
Wohnen wir abgesondert im wogenrauschenden Meere
Am Ende der Welt und haben mit keinem Gemeinschaft". (Voß)

6) Auch eine mythische Insel spielt eine Rolle. Die Inseln der Seligen, das Elysium der Griechen  ähnelt in der Funktion dem Horizont der Pharaonen. Wer die Insel oder den Horizont erreicht erlangt Unsterblichkeit und Wohlleben

So schreibt Hesiod(Werke und Tage, 165)
„die anderen aber, als sie auf Schiffen ueber den mächtigen Schlund nach Troja fuhren, wegen Helena, der schönhaarigen. Dort nun umfing den einen das tödliche Ende; anderen verlieh Vater Zeus, der Kronide, Leben und Wohnsitz fern von den Menschen und versetzte sie an den Rand der Erde. Ihr Herz frei vom Leide wohnen sie auf den Inseln der Seligen am tiefwirbelnden Ozeanos, die seligen Heroen, denen die kornsspendende Erde dreimal im Jahr honigsüsse Fruechte in Fuelle traegt"
(Auf alten Weltkarten liegen vor der  Kueste Portugals die Inseln der Hesperiden)

Nach Homer gewaehrt Zeus dem braungelockten Menelaos, dem König von Sparta Unsterblichkeit. Er darf auf die Inseln der Seligen. Er kann, wie die alten Ägypter oder Gilgamesch, den Ozean überqueren.(Od 4/565):-
-´Aber dir Menelaos ist bestimmt, oh Geliebter von Zeus, nicht als Schicksal der Tod--, sondern die Götter führen dich einst an die Enden der Erde, in die elysische Flur, wo ein ruhiges Leben die Menschen immer beseligt´

Charon mit den Seelen im Hadesnachen; Ausschnitt aus einem schwarzfigurigen  Altärchen fuer Totenspenden. (Frankfurt a.M, Liebighaus)
Der alte struppige Fährmann, der die Toten in seinem lecken Boot über den Grenzfluss zur Unterwelt (Acheron, Styx) fährt, Unbestattete aber zurückweist. Eine dem Verstorbenen in den Mund gelegte Münze, eigentlich ein Rest des alten Totenteils, galt als Fährgeld für ihn. In etruskischen Darstellungen ist der Charun ein Todesdämon mit Schlangenhaaren, Vogelschnabel und Hammer geworden. So erscheint er noch auf Michelangelos Jüngstem Geicht in der Sixtinischen Kapelle.


Soweit die Griechen. Der ´Fährmann´  findet sich auch im sumerischen Gilgamesch Epos.

Der Tod seines Freundes Enkidu grämt Gilgamesch sehr. Seine verzweifelte Frage:" Werd ich mich auch so betten und nicht aufstehen in der Dauer der Ewigkeit?"

Gilgamesch wandert suchend ueber Steppen und Meere. Endlich kommt er zur Schenkin Siduri, >>die da wohnt in des Meeres Abgeschiedenheit<<. Er fragt sie:
">Du wohnst, meine Schenkin, am Gestade des Meeres,
Daher weisst du Bescheid, dein Herz umfasst alles.
Wohin ich gehen soll, weise mir....!
Wenn es möglich ist, will ich das Meer ueberschreiten!<
Die Schenkin sprach zu ihm, zu Gilgamesch;
>Nicht gab es, Gilgamesch, je eine Uebergangsstelle
und niemenad, der seit vergangenen Zeiten herkommt geht uebers Meer.<"

Die Schenkin rät ihm, Urschanabi, den Fährmann aufzusuchen, denn dem gehören die ´Steinernen´. Gewaltige Ruderstangen, die nur für den Fährmann nutzbar waren. Sie waren so gestaltet, dass sie das drohende Wasser des Todes ablaufen liessen, ohne dass ein Tropfen ins Boot fallen konnte.
Der Fährmann weigert sich. Es kommt zum Kampf. Am Ende vertragen sie sich, aber die Ruder aus Stein sind beim Kampf zerbrochen. Der Fährmann sagt:
"Die Steinernden, Gilgamesch waren es, welche mich hinüberbringen, auf dass ich nicht berühre die Wasser des Todes"

Gilgamesch schlägt als Ersatz 120 Stangen im Wald. Jede Stange wird nur einmal gebraucht und nicht ins Boot zurückgezogen. Kein Tropfen des Todeswassers kann ins Boote fallen. Gilgamesch überquert das Meer und das abschliesende Wasser des Todes.
Der Gott Utnapischtim am Ende des Meeres wundert sich, dass Gilgamesch nach Überquerung des ´Todeswassers´ bei ihm, dem Gott in einem Boot erscheint.
"Weshalb sind des Schiffes Steinernde zerschlagen?
Wer fährt im Schiff, der kein Recht darauf hat?´
Der da kommt der Mensch ist doch keiner der  meinen!"

In dieser Geschichte spielen zudern Zedern eine Rolle, die von Gilgamesch gegen den Willen des Gottes gefaellt werden. (Deshalb musste sein Freund sterben.) Ort des Geschehens waere der Libanon mit Küste und Megalithgräbern in Palästina.

Wolfram von Soden, Das Gilgamesch Epos,1958 (Reclam)


Friesische Sagen
Nach einer altfriesischen Sage war es an der Nordseeküste seit uralten Zeiten Brauch, dass bestimmte Fischer gedungen wurden, um bei Nacht und Nebel die Seelen der Verstorbenen zum ´weissen Aland´ zu bringen. Diese Fischer mussten ihre Schiffe in der dunkelsten Nacht des Jahres, das heisst zur Wintersonnenwende, bereithalten. Wenn das Schiff voll beladen war, begann die Fahrt ´gegen  Wind und Wogen schneller als ein Vogel´ nach der Insel der Toten. Die Fischer brauchten den Weg nicht zu wissen, denn die Schiffe ´steuerten von selbst´ ihren Kurs. Im tiefen Schweigen ging die Fahrt vor sich, und ´es war nichts zu hören, als etwas Geflüster und Gewisper, wie wenn Mäuse leise im Stroh rascheln´. Am ´weissen Aland´ angekommen wurde die Ladung gelöscht und die Seelen an Land gebracht. Dann jagten die Schiffe in schnellster Fahrt zurueck, denn wenn der Morgen graute, mussten die Schiffe wieder an Ort und Stelle sein. (Luebbing)



In der angelsaechsischen Beowulf Saga wird ein Koenig in einem Schiff bestattet und mit allen Schätzen aufs Meer ´entlassen´. Der Steven des Schiffes ist mit einem Ring geschmückt *.Auf der Reede lag mit beringtem Steven, schimmernd fahrbereit, des Fürsten Schiff." (Der Ring als Symbol des goetternahen Horizionts?)

Die Bootsgraeber der Wikinger bekommen einen Sinn.

Luebbing, H., Friesische Sagen von Textel bis Sylt, 1929

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